Quereinsteiger Galvanik qualifizieren | Schulung & Weiterbildung

Quereinsteiger in der Galvanik qualifizieren

So bauen Unternehmen fehlendes Fachwissen auf

„Wir finden keine Oberflächenbeschichter.“

Diesen Satz hört man in der Galvanikbranche immer häufiger.

Gleichzeitig stehen in vielen Betrieben Mitarbeiter an galvanischen Anlagen, die ursprünglich aus ganz anderen Berufen kommen.

  • Produktionsmitarbeiter.
  • Maschinenbediener.
  • Metallbauer.
  • Mechaniker.
  • Logistiker.

Oder Menschen ganz ohne galvanotechnische Ausbildung.

Das muss kein Problem sein.

Im Gegenteil.

Quereinsteiger können hervorragende Mitarbeiter in der Galvanik werden – wenn Unternehmen sie systematisch qualifizieren.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Wo finde ich ausgebildete Fachkräfte?

Sondern auch:

Wie entwickle ich aus meinen vorhandenen Mitarbeitern qualifizierte Mitarbeiter für die Galvanik?

 

Warum arbeiten so viele Quereinsteiger in der Galvanik?

Galvanotechnik ist ein hoch spezialisiertes Fachgebiet.

Gleichzeitig benötigen galvanische Betriebe Mitarbeiter in Produktion, Anlagenbedienung, Qualität, Arbeitsvorbereitung und Prozessüberwachung.

Ausgebildete Oberflächenbeschichter und erfahrene Galvaniker stehen jedoch nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Deshalb entsteht in vielen Unternehmen ein klassischer Quereinstieg.

  1. Ein neuer Mitarbeiter wird eingelernt.
  2. Ein erfahrener Kollege zeigt ihm:
  3. Dieses Bauteil kommt auf dieses Gestell.
  4. Danach dieses Bad.
  5. Dann diese Zeit.
  6. Anschließend dort spülen.
  7. Und nach einigen Wochen kann der Mitarbeiter die Anlage bedienen.

Aber:

Eine Anlage bedienen zu können bedeutet noch nicht automatisch, einen galvanischen Prozess zu verstehen.

 

Der Unterschied zwischen Einlernen und Qualifizieren

Genau hier liegt aus meiner Sicht ein wichtiger Unterschied.

Einlernen bedeutet:

„Mach es so.“

Qualifizieren bedeutet:

„Verstehe, warum wir es so machen.“

Das ist in einem stabil laufenden Prozess vielleicht zunächst kaum sichtbar.

Interessant wird der Unterschied, sobald etwas nicht mehr normal läuft.

Plötzlich verändert sich:

  • die Oberfläche
  • die Haftung
  • die Schichtdicke
  • die Farbe
  • die Stromaufnahme
  • die Badqualität
  • die Bauteilqualität

Der eingelernte Mitarbeiter erkennt:

Irgendetwas stimmt nicht.

Der qualifizierte Mitarbeiter kann beginnen zu verstehen:

Warum könnte es nicht stimmen?

 

Welche Grundlagen braucht ein Quereinsteiger in der Galvanik?

Niemand muss am ersten Arbeitstag Elektrochemiker sein.

Aber bestimmte Grundlagen helfen enorm dabei, aus einzelnen Arbeitsanweisungen ein Gesamtverständnis zu entwickeln.

Dazu gehören insbesondere:

1. Was passiert beim Galvanisieren?

  • Warum wird überhaupt Strom benötigt?
  • Was sind Anode und Kathode?
  • Warum wandern Metallionen?
  • Was beeinflusst die Abscheidung?

Diese Grundlagen schaffen ein Verständnis dafür, was in einem Prozessbehälter tatsächlich passiert.

 

2. Warum ist Vorbehandlung so wichtig?

Eine Oberfläche kann nur so gut funktionieren wie ihr Untergrund.

Deshalb müssen Quereinsteiger verstehen, warum beispielsweise:

  • entfettet
  • gespült
  • gebeizt
  • aktiviert

wird.

Wer die Funktion eines Prozessschrittes kennt, nimmt ihn anders wahr als jemand, der lediglich weiß:

„Das Bauteil muss fünf Minuten in dieses Bad.“

 

3. Was bedeutet Stromdichte?

Ampere allein sagen einem Mitarbeiter wenig.

Entscheidend ist die Beziehung zwischen Strom und zu beschichtender Fläche.

Damit wird aus einem abstrakten Wert plötzlich eine praktische Frage:

Wie viel Oberfläche hängt eigentlich am Gestell?

Dieses Verständnis ist eine Grundlage für viele galvanische Prozesse.

 

4. Warum ist die Kontaktierung entscheidend?

Ein schlecht kontaktiertes Bauteil kann nicht einfach durch längere Beschichtungszeit kompensiert werden.

Quereinsteiger sollten verstehen:

  • warum Kontakte sauber sein müssen
  • warum Kontaktflächen relevant sind
  • warum Gestelle gepflegt werden müssen
  • wie Übergangswiderstände den Prozess beeinflussen können

Dann wird Gestellpflege nicht mehr als lästige Nebenarbeit betrachtet.

Sondern als Teil der Prozessqualität.

 

5. Warum wird so viel gespült?

Spülen wirkt für Außenstehende zunächst banal.

Für galvanische Prozessketten ist es jedoch von zentraler Bedeutung.

Wer versteht, dass Verschleppungen nachfolgende Prozessstufen beeinflussen können, geht völlig anders mit:

  • Spülzeiten
  • Bauteilbewegung
  • Ablaufzeiten
  • Wasserqualität

um.

 

6. Was sagen pH-Wert, Temperatur und Konzentration aus?

Prozesswerte sind keine Zahlen, die nur im Labor interessieren.

Sie beschreiben den Zustand eines Prozesses.

Ein Mitarbeiter sollte deshalb zumindest grundsätzlich verstehen:

Was verändert sich, wenn ein Wert außerhalb des vorgesehenen Bereichs liegt?

Er muss nicht sofort selbst die gesamte Badkorrektur berechnen.

Aber er sollte erkennen können:

Hier entsteht möglicherweise ein Problem.

 

7. Wie entstehen typische Galvanikfehler?

Quereinsteiger profitieren besonders von praktischen Fehlerbildern.

Zum Beispiel:

  • schlechte Haftung
  • Flecken
  • Verbrennungen
  • ungleichmäßige Schichtdicke
  • raue Oberflächen
  • Verfärbungen
  • fehlende Beschichtung in bestimmten Bereichen

Wenn Mitarbeiter lernen, Fehlerbilder mit möglichen Ursachen zu verbinden, verändert sich ihre Wahrnehmung des gesamten Prozesses.

 

Praxiswissen statt Chemievorlesung

Genau hier scheitern manche Weiterbildungen für Quereinsteiger.

  • Sie beginnen mit zu viel Theorie.
  • Periodensystem.
  • Komplexe chemische Gleichungen.
  • Elektrochemische Details.

Natürlich gehört Chemie zur Galvanotechnik.

Aber ein Produktionsmitarbeiter benötigt zunächst eine andere Perspektive.

Er muss verstehen:

Was passiert an meiner Anlage – und warum?

Erst danach kann das Fachwissen Schritt für Schritt vertieft werden.

Auch etablierte Weiterbildungsangebote verfolgen das Ziel, Mitarbeitern galvanotechnisches Grundwissen sowie Kenntnisse zu Prozess-, Qualitäts- und Umwelttechnik zu vermitteln. Der ZVO adressiert mit Fachlehrgängen ausdrücklich an- und ungelernte Mitarbeiter aus oberflächenveredelnden Betrieben.

 

Quereinsteiger sind nicht das Problem – fehlende Qualifizierung ist es

Ich halte es deshalb für falsch, einen Mitarbeiter danach zu beurteilen, welchen Beruf er ursprünglich gelernt hat.

Entscheidend ist:

  • Was versteht er heute?
  • Welche Verantwortung kann er übernehmen?
  • Welche Zusammenhänge erkennt er?
  • Und wie entwickelt sich sein Wissen?

Ein motivierter Quereinsteiger mit einem guten Prozessverständnis kann für einen galvanischen Betrieb enorm wertvoll sein.

Aber dieses Verständnis entsteht nicht automatisch durch jahrelanges Bedienen derselben Anlage.

Erfahrung und Qualifizierung müssen zusammenkommen.

 

Fachwissen reduziert Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern

Es gibt noch einen zweiten unternehmerischen Aspekt.

In manchen Betrieben steckt entscheidendes Prozesswissen in den Köpfen von sehr wenigen Personen.

Solange diese Menschen da sind, funktioniert das System.

Urlaub.

Krankheit.

Ruhestand.

Kündigung.

Und plötzlich wird sichtbar, wie abhängig der Prozess von einzelnen Wissensträgern war.

Deshalb sollte Qualifizierung nicht erst beginnen, wenn eine Fachkraft das Unternehmen verlässt.

Sie sollte Bestandteil einer systematischen Personalentwicklung sein.

 

Welche Mitarbeiter sollten qualifiziert werden?

Nicht nur neue Mitarbeiter.

Auch interessant sind:

  • Maschinen- und Anlagenbediener
  • Produktionsmitarbeiter
  • Schichtführer
  • Teamleiter
  • Mitarbeiter aus der Qualität
  • Arbeitsvorbereitung
  • Instandhaltung
  • technische Quereinsteiger

Dabei benötigt nicht jeder dieselbe Wissenstiefe.

Ein Anlagenbediener braucht andere Inhalte als ein zukünftiger Schichtleiter.

Genau deshalb sollte Qualifizierung modular aufgebaut werden.

 

Galvanik-Grundlagen für Quereinsteiger

Für den Einstieg halte ich einen praxisorientierten Grundlagenkurs für besonders sinnvoll.

Die Teilnehmer sollten anschließend beispielsweise verstehen:

  • wie galvanische Metallabscheidung grundsätzlich funktioniert
  • welche Aufgabe die einzelnen Prozessschritte haben
  • warum Vorbehandlung entscheidend ist
  • was Stromdichte bedeutet
  • welche Rolle Gestell und Kontaktierung spielen
  • warum Spülen wichtig ist
  • welche grundlegenden Prozessparameter überwacht werden
  • wie typische Fehlerbilder entstehen
  • welche Bedeutung Qualität, Sicherheit und Umwelttechnik besitzen

Danach kann das Wissen gezielt auf die im Unternehmen vorhandenen Verfahren erweitert werden.

 

Inhouse-Schulung direkt an den eigenen Prozessen

Besonders wirkungsvoll kann eine Schulung werden, wenn sie nicht ausschließlich mit allgemeinen Beispielen arbeitet.

Sondern mit der tatsächlichen Anlage des Unternehmens.

Mit den eigenen:

  • Bädern.
  • Bauteilen.
  • Gestellen.
  • Arbeitsanweisungen.
  • Fehlerbildern.

Dann wird aus theoretischem Wissen unmittelbar anwendbares Prozesswissen.

Ein Mitarbeiter versteht nicht irgendeine Galvanikanlage.

Er versteht seine Galvanikanlage besser.

 

Vom Quereinsteiger zum qualifizierten Mitarbeiter

Der Fachkräftemangel wird sich nicht allein dadurch lösen, dass Unternehmen darauf warten, dass ausreichend fertig ausgebildete Galvaniker auf dem Arbeitsmarkt erscheinen.

Ein Teil der Lösung wird darin bestehen, vorhandene Menschen weiterzuentwickeln.

Für mich ist deshalb die Qualifizierung von Quereinsteigern keine Notlösung.

Sie kann eine gezielte Strategie sein.

Menschen mit technischer Erfahrung.

Menschen aus anderen Produktionsbereichen.

Menschen, die lernen wollen.

Wenn wir ihnen erklären, warum ein Prozess funktioniert, statt ihnen ausschließlich zu zeigen, welchen Knopf sie drücken müssen, entsteht Fachkompetenz.

Und genau diese Fachkompetenz braucht die Galvanotechnik.

 

Galvanik-Schulung für Quereinsteiger und Produktionsmitarbeiter

Ich unterstütze Unternehmen bei der praxisnahen Qualifizierung von Quereinsteigern und Mitarbeitern in der Galvanotechnik.

Die Inhalte können dabei sowohl als allgemeiner Grundlagenkurs als auch individuell für die Prozesse eines Unternehmens aufgebaut werden.

Von den Grundlagen der Galvanotechnik bis zum Verständnis der eigenen Prozesslinie.

Sie möchten Quereinsteiger oder Produktionsmitarbeiter in Ihrer Galvanik gezielt qualifizieren? Sprechen Sie mich an.

Lassen Sie uns sprechen

und finden in 30 Minuten gemeinsam heraus, wie wir Ihre Mitarbeiter und Quereinsteiger qualifizieren können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin damit einverstanden, dass diese Daten zum Zweck der Kontaktaufnahme gespeichert und verarbeitet werden. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit widerrufen kann.*

* Kennzeichnet Pflichtfelder
Vielen Dank für Ihre Nachricht! Wir werden uns so schnell wie möglich bei Ihnen melden.
Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.